Warum ich zur Krimi-Mimi wurde

Ich lese ca.100 Bücher im Jahr und schätze, dass 60% davon im Krimigenre anzusiedeln sind.

Der Krimi ist kein Thriller, kein Psychothriller, kein Spionageroman, sondern der Krimi ist eben der Krimi.

Ein Verbrechen, in der Regel ein Mord oder aber ein schwerwiegendes Verbrechen (Handtaschenklau alleine reicht nicht), geschieht und dann gibt es die Polizei oder den Detektiv, der/die nun das Verbrechen aufklärt. Es geht primär um die Aufklärung des Verbrechens in einer relativ überschaubaren Seitenanzahl. Nicht die Sozialstudie steht im Vordergrund und auch nicht die philosophische Auseinandersetzung zwischen dem Bösen und dem Guten. Es geht um ein Verbrechen, dass an den zu dem Zeitpunkt existierenden Gesetzen gemessen und geahndet wird.

Es stimmt also schon, wenn man sagt, dass der Krimi eine meistens eher leichtere Literaturform ist. D.h. im Umkehrschluß, dass ich eher einen Krimi nach einem anstrengenden Arbeitstag lese, als einen Thriller oder Spionageroman, die wesentlich komplexer sind.

Der eher einfache Aufbau von Krimis war dann warscheinlich auch der Grund, dass ich schon als Kind einstieg. Ich wollte so klug und witzig wie Die Drei ??? sein. Immerhin hatte ich schon mal einen Hitchcockfilm sehen dürfen mit meinem Papa und fand den richtig, richtig dolle zum Fürchten und dieser Hitchcock war Pate für Die Drei ???.

Meine ersten Erwachsenenkrimis waren dann Edgar Wallace und Agatha Christie.

Ich war 8 und wir machten mit den Großeltern Urlaub im Bayrischen Wald. Nichts gegen die Großeltern und meine Eltern, aber meine große Schwester fuhr mit der evangelischen Kirche in Jugendfreizeit und so musste ich als einziges übriges Kind mit nach Bayern. Und dann regnete es auch noch 3 Wochen. Der einzige verregnete Urlaub unseres Lebens. Aber das stetige Aufklatschen der Tropfen auf dem Asphalt der Straßen, den Nadelböden im Wald und dem Rasen um unser Ferienhaus führte dazu, dass mein Vater und ich den Buchhändler in Regen stürmten und dort gab es Edgar Wallace im Angebot und so kaufte ich „Den Frosch mit der Maske“ und versank im London der 20er Jahre in dem ganz furchtbare Dinge passierten.

Edgar Wallace und auch Agatha Christie haben einen humoristischen Anteil in ihren Krimis, den ich danach sehr vermisste und erst bei Jörg Maurer wieder entdeckte. Wer trotz Mord und Mafia laut lachen kann, dem empfehle ich „Föhnlage“, ein Krimi bei dem ich schallend lachte und wer mich kennt weiß, dass ich zum Lachen eher in den Keller gehe. Jörg Maurer ist Musikkabarettist und komödiantische Krimis zu schreiben ist eine Kunst, die ich sehr schätze.

„Morgen habe ich eine Matinee, eine Vormittagsvorstellung…“

„Ich weiß, was eine Matinee ist. Die Hälfte aller bayrischen Polizisten hat Abitur. Ich bin einer davon.“

Ich musste mich durch viele auch schlechte Krimis lesen um die für mich wertvollen herauszupicken. Interessanterweise wurden auch in der Schule Krimis gelesen. So z.B. „Der Doppelmord in der Rue Morgue“ (kostenfrei in der Kindle Version), der gerne als erste Detektivgeschichte der Welt beschrieben wird (1841). Die hier angewandte Technik nennt man die des „geschlossenen Raumes“. Bis heute ein Faszinosum, wie ein Mord passieren kann, wenn niemand in den Raum rein oder raus kommt. Als Leserin fesselt mich dies ganz besonders, weil es ja nicht viele Lösungen geben kann und somit MUSS ich doch die Lösung finden 🙂 Wer eine moderne Variante möchte, dem lege ich aus der Kommissar Beck Reihe „Verschlossen und verriegelt“ ans Herz. Ein Renter erschießt sich. Die Tür ist von innen verriegelt. Aber … man findet die Waffe nicht …

Ein Asiate, geboren in Sri Lanka, aufgewachsen in Teilen in UK, lebt mit seiner finnischen Frau in HongKong. Ich MUSSTE seine Krimis lesen: Nury Vittachi. Dass ihm mitgegebene Kapital an kulturellen Welten in denen er lebte und lebt und begegnete, hat er in seine Krimireihe um den Feng Shui Detektiv C.F.Wong und seine australische Praktikantin Joyce (Tochter eines reichen Klienten… da konnte er doch nicht Nein sagen, als der ihn um einen Praktikumsplatz für seine etwas schwierige, ausgeflippte Tochter bat). Er schafft es trotz Überspitzung der beiden Charaktere herrliche Geschichten zwischen Asien und Europa/Australien entstehen zu lassen. Da treffen Kulturen mit unterschiedlichen Wertigkeiten aufeinander genauso wie die Altersweisheit auf die jugendliche Sturm und Drang Zeit. Mich amüsiert und bewegt es gleichermaßen. Es sind leider bisher nur 5 Bücher und ich empfehle sie einfach von vorne nach hinten einmal durchzulesen.

Generell läßt sich sagen, dass mich Krimis faszinieren, die keine deutliche Beschreibung von Folter, Blut, Gedärmen etc. enthalten. Bei solch detaillierten Beschreibungen, wie sie z.B. Steven King liebt, bleibt kein Raum für meine Fantasie. Krimis und die enthaltenen Beschreibungen müssen in Andeutungen verbleiben. Dann fängt mein Kopfkino an und das ist furchtbarer als jede mögliche Beschreibung. Aktuell mag ich viele der aus den Boden wachsenden Regionalkrimis und bin ansonsten eine große Liebhaberin von Serienmördern.

Hier mal eine kleine Auswahl an vielleicht nicht allzu bekannten Krimiautoren damit ihr ebenfalls so schöne, kurzweilige Abende wie ich verbringen könnt:

Deutschsprachige Krimis, die ich mag Andere Krimis, die ich sehr schätze
  • Jörg Maurer und seine komödiantischen Alpenkrimis
  • Die Eifel-Krimis von Jacques Berndorf liebe ich und sie sind herrlich stur und schweigsam wie die Eifel
  • Helga Glaesener schreibt historische Krimis, die gut recherchiert sind und immer starke Frauen im Mittelpunkt haben
  • Rebbeca Gable (ja, die Geschichtsromantante) hat Krimis geschrieben, deren Plots ich fantastisch finde und die in der Regel um Wirtschaftskriminalität gehen
  • „Süß“ würde ich Die Sammlerin (aus Frankfurt) von Helga Beyersdörfer titulieren
  • Andrea Maria Schenkel hat keine einfachen Krimis geschrieben und ihre Zielgruppe ist klein. Aber wer Sprache mag und Brutalität aushalten kann, der ist bei ihr gut aufgehoben
  • Klaus Erfmeyer schreibt intelligente, unaufgeregte Krimis um einen Rechtsanwaltskanzlei. Das gefällt mir.
  • Leo P. Ard … Brilliant und seinem Künstlernamen ist nichts hinzuzufügen.
  • Stefan Holtkötter läßt im Münsterland morden
  • Susanne Goga schreibt intelligente Geschichtskrimis aus dem Berlin der 20er Jahre
  • Cay Rademacher hat einen fantastischen Krimi im Hamburg des Jahres 1947 geschrieben. Unglaublich bildlich!
  • Nick Stone: Voodoo (fantastischer Krimi, der auf Haiti spielt und ich hab sehr viel über Haiti gelernt!)
  • Nury Vittachi ist skuril und genial mit seiner Feng Shui Reihe
  • Ann Cleeves schreibt diese britischen Inselromane mit einer starken Ermittlerin
  • Arto Paasilinna ist der Meister an Groteskem und Schwarzen Humor und das alles gepaart mit finnischer Gelassenheit und Schweigsamkeit und Fatalismus
  • Es gibt auch „Frauenkrimis“ behaupte ich und würde J.D.Robb als Autorin desselben bezeichnen. Lieutenant Eve schießt sich so durch ihre Fälle, aber eigentlich warten wir Heten ja nur darauf, dass ihr Mann Roarke auftritt …
  • Natsuo Kirino mit Umarmung des Todes … endlich mal Frauen als Mörderinnen … sehr gut.
  • Peter James sind moderne britische Krimis
  • „Später Frost“ war mein erster Krimi in diesem Jahr von Voosen/ Danielsson und hat mich beeindruckt. Typisch skandinavisch mit Geschichtsaufarbeitung.
  • Yasmina Khadra schreibt unter dem Pseudonym Romane über die algerische Gesellschaft. Aber da hier immer Verbrechen die Handlung bestimmen, empfehle ich es den KrimiliebhaberInnen, da es Krimi mit tiefem Einblick in die algerische Welt gibt.

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