Kochen mit dem Lokalradio

Ich bin eine neidische, alte Frau, die seit Jahren miterleben muss, wie bei SWF3 mit Johann Lafer gegrillt wird im Radio und obwohl der Kochshowboom auch vor NRW keinen Halt machte, verweigerte sich mein Lokalradio hartnäckig und ließ mich darben.

Gestern, Sonntag der 16.06.2013 war es dann so weit: gemeinsam kochen von 9-12 Uhr mit meinem Lieblingssender Radio Bonn-Rhein-Sieg. WTF? Ach ja … Lokalradio, die haben ja Sonntags nur von 9-12 Uhr Sendung und danach übernimmt der/die/das Landessender (oder wie auch immer das heisst).

Die Einkaufsliste runtergeladen und den ersten Fehler gefunden und dem Radio gemailt. Die Liste wurde korrigiert und hat hoffentlich niemanden verwirrt und mein Bioladen in Sankt Augustin hat sofort gesagt, dass ich einfach alles mailen soll, was ich benötige und sie packen mir dann für Samstag einen Korb. Super. Das wurde ja mal ein einfacher Einkauf.

2013-06-16 08.18.33Sonntag. 7:30 Uhr. Ach, wenn ich eh auf bin, kann ich ja den Kalbsbraten (Kalbsfilet hätte ich bei meinem Metzger vorbestellen müssen. Ist ja auch egal. Hauptsache lecker Kälbchen.) noch etwas einlegen. Mit nackten Füßen auf den Balkon getapert, Thymian und Rosmarin abgeschnitten und in der Küche mit Knoblauch, Zitronenscheiben und Olivenöl vermischt und dann über das Fleisch gegossen, den ich eine Kuchenkastenform gelegt hatte. Bei den Gerüchen war ich nun eh wach. Also habe ich die Rezepte über den Herd gehangen und dann alle Zutaten rausgelegt und schon mal das ein oder andere abgewogen, damit ich später weniger Stress habe.

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Kaffee aufsetzen und dann raus auf den Balkon, in eine Decke wickeln und noch etwas entspannen und in den Tag kommen.

Sonntag. 9:00 Uhr. Pünktlich sitze ich nun vor dem Radio. Einleitungsgeplänkel (notwendig und gut) und dann warte ich auf die ersten Befehle, die ich bereit bin entgegenzunehmen und auszuführen und höre dann, dass wir in der ersten Stunde noch gar nichts richtig machen, sondern erst so gegen 10 Uhr anfangen.

Och … hm … was mache ich jetzt? Zuerst sitze ich etwas gelangweilt rum und beschließe dann, dass ich ja schon vorbereitende Tätigkeiten tun kann. Nüsse grob hacken mit dem Nudelholz. Die kommen später in die Streusel für den Rhabarberstreusel (Man nennt Streusel jetzt immer Crumble und alle anderen meinen dann, dass man ein Spitzenkoch ist, weil man so exotische Sachen kann).PhotoGrid_1371368489657

Die Sachen für die Salatsuppe liegen auch rum … vielleicht fange ich einfach mit der Suppe an und hab dann nachher etwas weniger Stress?

Auf die Suppe bin ich wirklich gespannt: Salatsuppe. Kopfsalat ist bei mir im Kopf nicht so sehr als Lebensmittel mit viel Eigengeschmack abgespeichert und ich muss sagen, dass ich nie mit Meerrettich koche. Komme halt nicht aus Süddeutschland und das geht an mir vorbei.

Ich schneide also schon mal den Kopfsalat, blanchiere und schrecke dann ab.

Oh … im Radio wird angefangen… man sollte den Braten schon mal anbraten und in den Ofen tun, da er dort ja 1 1/2 Stunden garen muss. Gesagt, getan. Im Radio eine kurze Zusammenfassung, was ich nun schon alles getan haben sollte. Pi mal Daumen passt das. Bin mit der Suppe schon weiter, dafür hab ich den Spargel noch nicht geschnitten, weil ich nicht will, dass der rumliegt und austrocknet und auch die Kräuter schneide ich erst kurz vor knapp, damit nicht alles an Aromen verfliegt.

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Als ich die Suppe püriere, wird mir klar, dass ich das niemandem anbieten würde aus optischen Gründen und passiere das ganze einmal. Kopfsalat wird vom Mixer nur mäßig geschnitten und deshalb läuft die Suppe nun einmal durch das Netz und die Stücke bleiben draußen. Der Rest wird dann abgeschmeckt und ich bin dankbar, dass ich genügend Kocherfahrung habe um nicht einfach alles reinzuhauen, was im Rezept steht, sondern von allem etwas und dann abschmecken und schauen, wovon ich mehr und wovon ich weniger möchte.

Sonntag. 11:00 Uhr. Ich finde, dass ich gut in der Zeit bin, setze mich also mit einem Tässchen Suppe an den Küchentisch, als das Radio sagt „Wir schneiden nun den Rhabarber nachdem wir die Crumbles bereit fertig haben.“ WTF? Streusel schon fertig? Äh … Rhabarber schneiden? Öh … ich muss erstmal die Spargel schneiden und zudem kommt leich mein Braten raus und den muss ich ja auch noch schneiden.

Stress breitet sich nun aus. Dann klingelt das Handy. Das Radio ist dran. Eine kurze Schalte zu Volker Groß. „Karin, warum ist deine Suppe schon fertig?“ Äh, öh, uh .. well … dafür bin ich leider mit dem Nachtisch komplett in Verzug.

ICH HATTE RIESIGEN SPASS!

Ich koche gerne und gut und somit sind die Rezepte kein Problem gewesen. Das Wissen darum, dass da im Radio Bonn Rhein-Sieg Land gerade noch viele anderen mitkochen, war ein schönes Gemeinschaftsgefühl mit der nötigen Distanz, denn wenn ich ehrlich bin, bin ich in meiner Küche am Liebsten alleine. Zudem macht es mir Spaß das ganze fotografisch zu begleiten (mit dem Smartphone und leider bin ich eine fotografische Nullpe, aber es macht mir Spaß) und zu wissen, dass nun andere meine Fotos auch anschauen werden.

Das Kochen war einfach und zu schaffen, WENN man kochen kann. Ich hätte nicht probieren wollen, was andere kochen, die weniger gut kochen können. Das liegt daran, dass die Anweisungen aus dem Radio in der Regel zu spät kamen. Meistens erfuhr ich erst in der Zusammenfassung, was ich alles hätte tun sollen, während ich noch Kaffe trank und dachte „Och, passiert noch nix.“

Bitte, laßt uns das wiederholen und wir lernen ja alle dabei.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass genauere Anweisungen kommen und vielleicht mehr Fotos aus dem Kochstudio, die dann unversierten Köchen auch helfen können, wenn sie unsicher sind.

Ich vermute, dass das Radio einen richtigen Zeitplan erstellen muss, was in welcher Viertelstunde gesagt werden muss, damit die Köche zuhause mitkommen und nicht so viel staunen. Eine unterstützende Möglichkeit ist natürlich auch eine Art Zeitplan Samstags ins Internet zu laden, sodaß jeder nebenher lesen kann, was in etwa wann geschehen soll.

Und hier nun das fertige Menü:

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PS: ich bin froh, dass ich die Haselnüsse für die Crumbles nicht so klein gemahlen habe. Dadurch war der Geschmack viel intensiver und die Textur im Mund auch nicht so einfaltslos, sondern abwechslungsreich und spannender.

PSS: das Kräuterpüree ist mir zu dominant gewesen in der Zusammenstellung. Kalbsfleisch ist so zart und Spargel hat einen sehr eigenen, aber auch nicht dominanten Geschmack. Das Püree hat mir alles im Mund zerstört. Oder war meine Knoblauchzehe zu dick? Ich würde nur normalen Kartoffelpüree oder nur Salat dazu machen in der Wiederholung.

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