Das Zentrum oder Limperich

Wenn ihr an Bonn denkt, welches Viertel findet ihr eigentlich am Wichtigsten? Das Zentrum oder doch eher Limperich? 


Dieser Blogbeitrag entsteht, weil ich im Rahmen der letzten Wahlen wahrnehme, dass andauernd über „das Zentrum“ geredet wird. Das Zentrum muss attraktiver werden. Das Zentrum muss Vorreiter werden für Mobilitätsreformen. Das Zentrum braucht eine neue Gastronomie. Das Zentrum hat ein Immobilienproblem. Das Zentrum braucht mehr Leben.

Da sitze ich in meinem Limperich, am Rand zu Ramersdorf und Küdinghoven und frage mich, warum das Viertel „Zentrum“ so betont wird. Was interessiert mich das Zentrum? Oder Ippendorf? Oder Mehlem? Anders ausgedrückt: mich interessieren alle Viertel gleich, denn sie alle machen diese Stadt aus. 


Die Gesellschaft hat sich verändert vor allem auch durch Mobilität und ich verstehe dieses alte Denken nicht nach dem das Viertel „Zentrum“ eine besondere Betonung bekommen sollte. Wir benötigen kein Viertel mehr in dem sich die Dienstleister bündeln oder die Handwerker oder die Finanzmächte. 

Historie der Zentren
Als Menschen seßhaft wurden und Siedlungen entstanden, hatten diese immer ein bedeutsames Zentrum. Die Mobilität und der Radius in dem sich Menschen bewegten wurde primär von der Laufkraft der eigenen 2 Füße bestimmt.

Universitat


Orte entstanden oft an bereits existierenden Fixpunkten. Gab es hier bereits eine Kirche, eine Burg, war hier ein guter Handelsknotenpunkt u.ä. Heute sind das die historischen Stadtkerne, die wir in den Städten noch anschauen können und an denen Geschichte nachvollziehbar gemacht wird.


Städte hatten Zentren an denen sich Verkehrs- bzw. Versorgungswege bündelten. Hier finden sich Dienstleister und Verwaltungen heutzutage konzentriert.


Ein Stadtzentrum hatte eine besondere Macht und Ausstrahlung. Auch schon vor 1.000 Jahren. Hier entstanden auch die Finanzmärkte und die politischen Zentren. 

Wir Menschen heute bewältigen unseren Alltag nicht mehr primär auf unseren Füßen. Sie sind wichtig für die Details, aber es gab viele Erfindungen, die dazu führten, dass unser Radius sich enorm erweitert hat. Fahrrad, Auto, Flugzeug, S-Bahn, eScooter …. 

Attraktivität
„Wir müssen das Zentrum wieder attraktiver machen“ Warum? Warum müssen wir Limperich nicht attraktiver machen? Hier sind schöne Einhausgegenden mit hübschen Gärten und wir haben eine schöne natürliche Grenze mit dem Rhein im Westen. Ein Restaurant oder Café gibt es nicht, aber dafür NRWs nördlichsten Weinberg, der die höchste Erhebung im Viertel ist. 


Da sich unser Mobilitätsradius enorm erweitert hat, benötige ich nicht alles in meinem Viertel. Ich fahre gerne rum in meinem Auto, andere mit dem Rad oder Scooter oder was auch immer. Dennoch fehlen mir in Limperich Dinge wie 2 nette Cafés oder Bistros auf der Elsa-Brandström oder ein Rad-Schnellweg auf dem Landgrabenweg. Vielleicht auch in Richtung Königswinterer noch ein nettes Cafe… ein echter Bäcker …. So hat jeder seine Vorlieben.

Innenstädte veröden

Natürlich tun sie das, denn die Innenstadt-Bewohnenden bzw. Einzelhändler und Ketten dort, haben nicht verstanden, dass ein Wandel stattfindet.

Unsere Innenstadt mit der Verwaltung und dem Beamtenapparat und den Parteien verschläft den Wandel, den die Digitalisierung unserer Strukturen mit sich bringt. 


Digitalisierung heisst nicht nur, dass ich meine Kehrschaufel bei Amazon bestelle und meinen Personalausweis online beantrage, sondern dadurch ändern sich Laufwege (wie auch immer, das in der Stadtplanung heisst). 
Wenn z.B. ein DAX Konzern neue Bürogebäude plant, dann gibt es jemanden, der Pläne erstellt, wie die Menschen laufen werden. Wo sind Hauptlaufwege? Zur Kaffeemaschine, zum Klo, zum Kopierer …

Früher waren die Hauptlaufwege in Bonn aus den Vierteln rein in das Zentrum. Da muss man Verkehrsmittel wechseln oder Einkaufen oder Behördengänge machen oder sich scheiden lassen oder oder oder … 


Durch eine veränderte Nutzung von Mobilitätsangeboten, höherer Digitalisierung von Prozessen der Verwaltung, ändern sich unser aller Laufwege und damit die Stadtstrukturen.

Aber einige wollen nicht erkennen, dass ihre Relevanz sich nun verändert und haben Panik vor Irrelevanz. Sie glauben immer noch, dass die Menschen in die Innenstadt fahren zum Einkaufen.

Als ich überlegte, warum ich in den letzten 5 Jahren in die Innenstadt gefahren bin, gab es 2 Gründe:

  1. Ich muss aus beruflichen Gründen in Gastronomie in der Innenstadt (ich muss beruflich in jedes Viertel)
  2. Ich hole jemanden am Bahnhof ab oder bringe sie /ihn dorthin

Anders ausgedrückt: der Hauptbahnhof ist der einzige Grund für mich in die Innenstadt zu fahren zu dem es keine Alternative gibt.


Bleibt zu sagen: ich finde das Zentrum total unattraktiv. Aber ich finde auch Pennenfeld unattraktiv bzw. eben beide gleich attraktiv. Die Frage ist, wie attraktiv es für mich als Aussenstehende denn sein muss? Ich finde: nicht besonders attraktiv, denn mein Leben findet in meinem Viertel statt. Ich kaufe hier ein für den täglichen Bedarf und der Rest wird bei Amazon bestellt und das seit über 25 Jahren. Ja, ich oute mich als eines dieser Arschlöcher, die nicht von Amazon lassen trotz der miserablen Arbeitsbedingungen dort. An shoppen hatte ich noch nie Spaß und habe ich keinen Spaß. Weder macht es mir Spaß in Schaufenster zu schauen, noch mag ich die anderen Menschen in den Straßen. 

Auf zu neuem Denken oder wie soll ich den Artikel beenden? In jedem Fall habe ich mir mal von der Seele geredet, dass mir dieses Innenstadt Popanz Gerede tierisch auf die Eierstöcke geht 🙂


Und deswegen ein dreifaches Alaaf auf die Gleichberechtigung der städtischen Viertel

Limperich Alaaf

Bonner Viertel Alaaf

Wir sind alle gleich wichtig und schön Alaaf

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