Die Panamericana und mein Vater

Es war 1980 als ich meinem Vater zu Weihnachten das Buch „Panamericana – von Alaska nach Feuerland“ schenkte.

 

Das ganze Jahr über hatte er mir erzählt von den Eisbergen, den Anden, den vielen Steinen auf den Straßen, den Lamas und dem Pampasgras und den Schafen auf Feuerland.

Das Buch hat die ganze Familie dann nach Weihnachten verschlungen. Meine Eltern sind alleine und mit uns Kindern immer sehr viel gereist und nichts war wichtiger als uns fremde Kulturen nahe zu bringen. Wer fremden Kulturen offen gegenüber ist, dessen Bereitschaft ist gering gegen sie Krieg zu führen nur weil sie anders sind. Das ist das Wichtigste, was mein Vater mir im Leben vermittelt hat.

 

Als er dann in Frührente ging, hat es meine Eltern nicht mehr zuhause gehalten. Die Route 66, dann Australien und natürlich ständig irgendwo in Europa unterwegs. Meine Schwester und ich hingen die WELCOME-Girlande gefühlt im 6-Monats Rhytmus über die Haustüre.

 

Es war immer schön so agile Eltern zu haben, die voller Abenteuerlust steckten und sich ihre Neugierde nicht nehmen liesen. Ich bin dankbar, dass meine Eltern nie ihr Geld gespart haben „für die Kindern, wenn wir mal nicht mehr sind“. Es ist ihr Geld und sie haben es sich erarbeitet. Ich bin nun für mein Leben selber verantwortlich. Sie haben genug für mich getan.

So zeigten mir meine Eltern, dass man sich als Paar, wenn die Kinder aus dem Haus sind sein Leben wieder zurück erobern kann und gemeinsam die Welt erneut entdeckt.

 

Die Panamericana haben sie nie gemacht. Mein Vater starb früh und unerwartet.

Stattdessen habe ich heute Freunde, die nun ihren Traum leben: die Panamericana. Tobias und Michaela verfolge ich nun seit 1 Jahr zuerst bei der Planung und nun schon ca. 4 Monate auf ihrer Tour.

Heute kam ihr Bericht über die Carretera Austral. Die lange Straße durch Chile bis runter in den Süden. Dabei erinnerte ich mich an viele Gespräche mit meinem Vater, der sich sehr auf diesen Abschnitt freute, allerdings auch erzählte wie schwierig es ist, weil der Süden kaum erschlossen ist. Ob es die Carretera Austral in der Form damals gab, weiß ich nicht.

Nachdem ich den Beitrag gelesen hatte, kam auch noch ein Video von den Beiden über Whatsapp und das nahm ich zum Anlaß meinem Vater von den beiden zu erzählen. Ich erzähle den Toten in meiner Familie ja ab und an Dinge, die uns gemeinsam verbunden haben. Bis heute erzähle ich meinem Vater die Ergebnisse von Schalke, dabei sieht er das von seiner Wolke ja eh 😉

 

All die Möglichkeiten, wie wir heute mit Menschen in Kontakt bleiben, die mal 2 Jahre weg sind, sind enorm. Davon haben mein Vater und ich 1980 nicht geträumt. All die Fotos und tollen Berichte nehmen mich jeden Tag ein kleines Stück mit auf der Panamericana und das freut mich sehr.

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