Twittern beim Beethoven Open Air

Seit einigen Jahren bereits organisieren unsere Beethoven Verantwortlichen immer pünktlich zur Beethovenwoche das sogenannte Tweetup #befespark (BEethovenFEst und SPARKasse).

Per Twitter werden ca. 20 Aktive aufgerufen sich zu melden um live aus der Open Air Übertragung zu berichten per Kurznachrichtendienst Twitter. Während also die einen muckelig in der Beethovenhalle sitzen, setzen sich die anderem dem Wetter auf dem Marktplatz aus und versuchen ihre FollowerInnen zu begeistern für das Event und für klassische Musik.

2015-09-06 18.53.10Als Gegenleistung für die Werbung gibt es Stühle mit Decken und ein kleines Menü vorab mit Weinbegleitung oder Wasser. Da ich ja auch Bonn geht essen mache, erwartet nun jeder etwas zum Essen. Also kurz und knapp: das war den Umständen entsprechend sehr gut. Eine ausgezeichnete Suppe, die auch trotz kaltem Wind nicht direkt auskühlt und warm machte. Danach ein gefülltes Hühnchen mit einem Kartoffelgratin. perfekt für das Wetter und das Huhn auch noch nicht gänzlich tot gebraten. Das passte also, was das Miebach servierte. Der Service dafür um so mehr im Stress bei dem Menschenauflauf. Zu meinem Bedauern kein Sektchen. Ich kann weder Weiß- noch Rotwein trinken und hatte mich auf einen Prosecco o.ä. gefreut … nun denn … bin ja auch passionierte stille Wassertrinkerin.

Die Organisation war gut, was für mich bedeutet: kurz und klar. Es mangelte mir an nichts und ich fühlte mich gut aufgehoben. Auch die Stühle sind für sehr Dicke durchaus geeignet und somit kann ich Dicke nur ermuntern, dass sie nächstes Jahr mit machen.

Unter meinem Account @bonngehtessen habe ich dann auch recht fleißig getwittert. Ich sehe das durchaus als meine Aufgabe an, wenn man mich kostenlos einlädt und verpflegt. Entsprechend habe ich mich auch vorbereitet um einige gehaltvolle Tweets absetzen zu können und nicht nur „Die Atmosphäre ist toll“ Tweets. In den letzten Jahren hatte mich die Menge an seichten Tweets etwas abgeschreckt und ich wollte es besser machen.

Dann fing die Übertragung an und mein Fazit: schön, dass ich das in dieser Form einmal erlebt habe, aber ich werde es nicht noch mal mitmachen.

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Verliebt in Bonn

Als Hintergrund zu mir sollte man wissen, dass ich selber als Laie in 2 Orchestern mitspiele und ich bin ca. 10-14 Mal im Jahr in der Kölner Philharmonie und gebe mich dort den Genüssen hin. Dabei gebe ich auch gerne mal sehr viel Geld dafür aus weit vorne zu sitzen, weil es das ein oder andere Konzert gibt, wo es mir wichtig ist das Dirigat besonders gut zu sehen o.ä. Und ja, ich bin auch schon für Dirigenten oder Uraufführungen das ein oder andere Mal in andere Städte / Länder gereist.

Klassische Musik, wenn sie mir in der Perfektion der Wiener Philharmoniker geboten wird, ist für mich auf einem Genußlevel der Extraklasse. Eben wie ein 3-Sterne Restaurant. Geht es nur um Nahrungsaufnahme, kann ich zum Döner gehen ( I <3 Döner) , aber wenn ich Essen zelebrieren will, dann geht es lieber in die gehobene Gastronomie.

Wenn also die Wiener kommen, dann will ich nicht mitschunkeln. Dann will ich perfekte Töne hören. Töne, die der Solist über Wochen an langen Arbeitstagen geübt hat. Töne, deren Perfektion eine Lust und Wonne erhalten, dass Schauer durch meinen Körper jagen.

Diese Töne kann ich nicht hören, wenn nicht meine ganze Aufmerksamkeit im Stück ist. Während ich also dort sitze, meine Füße im Kabelkampf der anderen immer wieder versinken, ich versuche zu twittern, zu zuhören, den Service im Auge zu behalten damit er nicht über meine Füße stolpert, die Gespräche und das Gesumme der Mittwitterer zu ignorieren, das Smartphone vor Regen zu schützen, die Decke fester um mich zu schlagen, habe ich also diesen einen Ton in Takt 17, der so viel über die Weiterentwicklung des Stückes sagt verpaßt.

Für mich funktioniert Twittern aus einem klassischen Konzert heraus nicht. Das weiß ich nun und somit schlage ich mich schon mal um keinen der begehrten Plätze mehr 🙂

Ich brauche meinen Kokon im Konzertsaal in dem ich meine eigene Hingabe auf meine Art zelebrieren kann und freue mich auf die nächsten Konzerte in der Kölner Philharmonie.

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