Der volle Kopf

Das Leben bietet so viele Phasen und aktuell ist es in meinem Leben wohl sehr turbolent.

Ich habe gekündigt und den Gedanken gefasst mich selbstständig zu machen. Während ich finde, dass es niemanden gibt, der schlechter für eine Selbstständigkeit geeignet ist, sagen meine Freunde „Wer, wenn nicht du“. Den Stress habe ich mit einem Hörsturz bezahlt. Nach 11 Jahren der Erste. Bin jetzt offiziell leicht schwerhörig.

Nun sitze ich also Tag für Tag zuhause, kriege nur bedingt eine Struktur in den Tag und weiß noch nicht, wie ich das alles finde. Noch kommt Vieles auf mich zu, passiert einfach und ich reagiere dann darauf.

Eine Struktur wie in einem Büro gibt es noch nicht. Z.B. zuerst emails bearbeiten, dann Kaffe holen und kurz mit Kollegen plauschen, dann an ein Strategiepapier setzen, dann ein Meeting, dann Lunch, dann Kaffee, dann wieder emails usw.

Doch dann kam die Putzfrau

So passiert es, dass die Putzfrau sich in den Kopf setzt heute den Kühlschrank vorzuziehen und dahinter zu wischen und dann kann ich mal eben meine Arbeit für unbestimmte Zeit beenden. Vor allem, weil ich parallel den Hund in Schach halten muss, der meine Deko zerbeißen möchte. Hoffentlich bleibt mir die Frau lange erhalten. Ich mag mich nicht dauernd an neue Menschen gewöhnen. Andererseits: wer weiß, wie lange ich mir das noch leisten kann. So eine Selbstständigkeit kann auch schnell vorbei sein.

Nur kurz bei Instagram reinschauen

Social Media Netzwerke gehören zu meinem Leben. Privat ist das hauptsächlich Twitter und Instagram und beruflich eher Facebook und Instagram.

Ich schaue also nur schnell bei Instagram rein. Kommentare beantworten und dabei auf einen Hashtag kommen wie z.B. Kimchi (ein aktueller trend in der Foodszene) und schon klebe ich fest. Fotos von Kimchi aus Korea mit dem in Europa gemachten vergleichen. Liken, kommentieren. Rezepte nachlesen. Schauen, wie es eigentlich dem Aufbau des Restaurants von Frl. Kimchi in Berlin geht und <schwups>  Zeit verdaddelt. Ach warum bin ich nur keine Freundin der koreanisch/japanischen Küche?

Jetzt schnell ein paar E mails beantworten und ein Angebot schreiben. Am linken Rand meines Screens nehme ich auf Twitter einen Link wahr, der mich interessieren könnte. Ein Bericht über ein Demenzdorf.

Was wird im Alter?

Das Thema interessiert mich, nicht zuletzt auch deshalb, weil die Twitterin @fragmente in den letzten 2 Jahren sehr offen über die Demenzerkrankung und den Tod ihres Vaters berichtete. Dadurch werden viele Tabus gebrochen und auch, wenn man es oft nicht weiß, hilft man vielen Menschen die mitlesen und ebenfalls ein Elternteil begleiten und darüber nur schwer reden können. Man ist nicht mehr so alleine, wenn man solch offene Gedanken teilen darf.

Wie wird mein Alter aussehen?

Ich gehöre einer Generation an, die zwischen strenger Erziehung einer Kriegsgeneration und der Emanzipation steht. Das heisst, dass viele Männer in meinem Alter noch Bilder im Kopf haben von sehr traditionellen Beziehungen, was nicht schlimm ist, wenn sich beide Partner gleichberechtigt dafür aussprechen.

Aber im Gegensatz zu dem Bild der unterlegenen Frau, die zum Mann aufschaut, ihrer Familie dient, hatte ich schon die Möglichkeit zu studieren und vor allen Dingen gab es bereits die Antibabypille.

2 Dinge, die das Leben der Frau entscheidend beeinflußt haben. Im Gegensatz zu meinen Eltern, Großeltern etc. konnte ich aktiv beeinflußen, ob und wann ich eine Familie (Kinder) möchte. Die Bildung ermöglichte mir des Weiteren, dass ich dem Manne nicht mehr unterlegen sein musste und mein eigenes Geld verdienen konnte, wenn ich wollte.

Ein Ausbrechen aus der traditionellen Rolle war mir und meiner Schwester theoretisch möglich und erlaubt, nicht zu letzt auch wg eines wunderbaren Vaters, der keine Gründe kannte, warum eine Frau etwas nicht können sollte.

Tatsächlich habe ich die Möglichkeiten ergriffen und sowohl aktiv verhindert, dass ich Nachwuchs bekomme, als auch studiert und bin ins Berufsleben eingestiegen.

Nun stehe ich da, als erste Generation in der viele Frauen Single geblieben sind, weil es nicht genügend Männer gab, die emotional auf eine solche Generation Frauen vorbereitet war und ohne Nachwuchs. An manchen Tagen macht mir das Kummer und ich hoffe, dass wir starke Frauenbündnisse im Alter schließen werden um uns zu unterstützen und Vereinsamung zu verhindern.

Ich könnte jetzt mal wieder arbeiten, oder?

Ja, ja … hatte ich ja vor, meine Gedanken waren nur kurz abgeschweift. Wobei … mein Wecker klingelt. Ich muss los zu einem Testessen für Bonngehtessen. Jemand hat mich über die Homepage kontaktiert und wir werden uns heute kennenlernen. Ich lerne überhaupt viele Menschen dadurch kennen.

Die heutige begeisterte Leserin begeistert mich auch. Eine junge Frau und (ich übertreibe nun ein wenig) in 5 Minuten weiß ich, dass sie ihren Freund verlassen wird, der das noch nicht weiß, sie ihr Studium beendet nächsten Monat, aber nächste Woche ein Probekochen in einem Spitzenhotel hat und eigentlich Köchin werden möchte und dann ist da noch diese Frau zu der sie sich hingezogen fühlt. BÄM.

Meine Gedanken rotieren auf dem Rückweg.

Als ich dann wieder in meine Wohnung komme, werfe ich mich mit vollem Bauch aufs Bett und halte ein Mittagsschläfchen. Aber danach … danach arbeite ich bestimmt.

2 Kommentare zu Der volle Kopf

  1. Liebe Karin,

    Zweifel sind der Keim der Kreativität. Behaupte ich jetzt mal. Die Erfahrung die ich gemacht habe ist, dass Selbstzweifel einem nur im Weg stehen und man mehr auf die anderen hören sollte, die einem viel eher sagen, was man kann oder nicht. Insofern sie nicht nur höflich sind (davon sollte man bei Freunden allerdings nicht ausgehen). Menschen mit einem gesundem Selbstvertrauen neigen manchmal dazu, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen und nicht aussprechen zu wollen, dass sie ziemlich knorke sind.
    Es muss einen Moment – vielleicht nur den Bruchteil eines Augenblicks – gegeben haben, der Dir das Gefühl gegeben hat, dass der Schritt in die Selbständigkeit der richtige für Dich ist. Versuche doch, an diesen Punkt anzuknüpfen.

    Wir beide haben uns schon das ein oder andere Mal über unsere Marotten, Ängste und damit einhergehende (meist psychosomatische) Körperreaktionen unterhalten. Für uns ist der Einsteig ins Flugzeug vielleicht schon wie der Schritt auf den Mond, während andere das müde belächeln. Aber daraus kann man auch sehr viel Kraft ziehen. Wenn wir es schaffen Ängste zu überwinden, was kann uns dann aufhalten?
    Es mag doof klingen, aber ich sage mir bei Situationen, die mir Angst machen und vor denen ich am liebsten weglaufen würde: Du schaffst das. Und wenn nicht: es bringt Dich nicht um!
    Da klingt ein bisschen einfach und vielleicht sogar einfältig, aber es hilft mir.
    Jeder braucht ein Mantra, wenn es ihm ernst ist, an sich zu arbeiten und sich voranzubringen.

    Was ich eigentlich sagen will: Du hast ein gut funktionierendes Netzwerk um Dich herum aufgebaut, dass Dir viele Möglichkeiten bietet, Deinen Weg zu bestreiten und Hilfe an den richtigen Stellen zu bekommen. Menschen wollen DICH kennenlernen. Einfach so. Weil Ihnen der Artikel auf Deiner Webseite gefallen hat oder weil Ihnen Deine Art zu schreiben gefällt, weil sie Dich auf einer Veranstaltung gesehen haben, oder oder oder.
    Klar kann man sich davon am Ende nichts kaufen, aber es sollte Dir den positiven Anreiz schaffen, Dich und Deine Ideen nicht als unwichtig oder unnötig abzutun.

    Ich lese übrigens regelmäßig diese Seite: http://www.adios-angst.de/
    Hier schreibt Mischa über die Suche nach sich selbst, der Überwindung seiner Ängste und Panikattacken und seinen Weg in die Selbständigkeit. Vielleicht kannst Du da ja etwas für Dich herausziehen.

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