Ich bin so […] (uncool/cool)

Wie jedes Jahr freue ich mich wie Bolle auf die re:publica. Bisher nahm ich immer direkt nach der Rückkehr Urlaub für das nächste Jahr. Da ich mich nun aber selbstständig mache, muss ich diesmal niemanden um Urlaub bitten, denn Netzwerken sehe ich als Bestandteil meiner Arbeit und wo sonst kann man netzwerken, wie auf der re:publica?

2015-05-05 09.48.02
Endlich wieder re:publica

Zurückgekehrt aus Berlin vernahm ich meiner TL, dass manche zu cool sind um auf die re:pulica zu fahren, andere zu uncool, manche beäumeln sich über das Klassentreffen der Möchtegern-Internet`ler und andere sehen keinen Mehrwert mehr, da zu wenig politischer Anspruch.

Ganz ehrlich: keine Ahnung, ob ich nun uncool oder deppert oder meiner Zeit hinterher bin, aber ich sag mal in meinen Worten das, was Johnny immer auf der Bühne beim Abschluß sagt: ein formloses Event auf dem man 3+ Tage nur lachenden Menschen begegnet und mit denen reden, chillen, zuhören und essen kann, finde ich persönlich toll.

Und unter fast 10.000 BesucherInnen findet sich eben auch immer Eine oder Einer mit der / dem einen was verbindet. Mit anderen nicht und das ist ja auch nicht schlimm.

2015-05-06 16.40.22
Es war wirklich voll bei mir und nicht alle kamen rein. Sorry und Danke.

In diesem Jahr habe ich nun das erste Mal einen Vortrag gehalten und danke an meinen (noch-) Arbeitgeber Chefkoch.de , dass ich das noch machen durfte. Ich mache sowas wahnsinnig gerne und auch wenn Videos von solchen Sessions nicht immer prall sind, merkt man, dass ich und das Publikum großen Spaß hatten.

Dieses Jahr war ich in so vielen Sessions wie noch nie und habe 2 ganz große Highlights gehabt: Aral Balkan „Beyond the camera panopticum“ und Thomas Weyres (Folien) mit „Sign up for Hartz IV“.

Aral hat über die Überwachung durch weltweite Firmen geredet und er hat eine sehr zynische Art auf die ich total stehe. Ich weiss, dass ich mich mehr mit dem Thema beschäftigen sollte, aber die meisten Menschen reden so schrecklich kompliziert darüber, dass ich Angst habe. Aral bringt stark vereinfachte Beispiele, die jeder verstehen kann.

Diese Informationen, verbunden mit ein paar Hintergründen zu Projekten, wie Google Tango und schon hab ich wieder etwas mehr Durchblick, was Großkonzerne gerade so alles machen

Was ich allerdings auch hinterher nicht weiß ist, wie ich mich verhalten soll. Tatsächlich verstehe ich die Probleme der Überwachung, aber ich sehe auch all das Positive, dass man eben AUCH rausholen kann und so gehe ich und weiß wieder nicht, wie ich es denn nun mit dem Datenschutz und der Nutzung bestimmter Tools halten soll.

2015-05-06 13.48.38
Mit Sonne macht es immer Spaß in der Station.

Der „Sign up for Hartz IV“ Vortrag war toll, weil er den wunderbaren Aufbau hatte: Problem skizzieren, Lösungsmöglichkeiten aufzeigen, Beispiele aus andren Ländern zeigen. Wow. So einfach und doch geht man hoffnungsvoll und hat das Gefühl, dass sich auch in Deutschland was tun wird.

Das Thema sind also Bürgerprozesse. Ein Bürger muss auf ein Amt und muss Formulare ausfüllen und in welcher Spirale befindet er sich dann eigentlich? All das am Beispiel des Hartz IV Formulars, dass ich nun kenne, falls ich es mal benötige.

Die Formulare bzw. Prozesse der Antragstellung sagen eigentlich schon deutlich „Ich (Behörde) möchte nicht mit dir (Antragsteller) reden.“

Es hat mich sehr frustriert zu sehen, wie viel UX Design tatsächlich zwischen den Zeilen aussagt.

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Ein Teil der schüchternen Bonner Blase…

Thomas hat nun aufgezeigt, wie Prozesse aussehen würden, wenn man sie aus Sicht des Antragstellers denken würde. Prozesse, die mit Angst nehmen in meiner eh nicht erfreulichen Situation als gefühlter Bittsteller. Prozesse, die mir immer sagen, was ich benötige, wie ich es bekomme und wo und mit Ansprechpartnern und wie lange es dauert. Prozesse, die mich begleiten und individuell auf mich zugeschneidert sind.

Zu sehen, dass man vor Behörden nicht nur Angst haben kann, sondern durch gutes UX Design mir das Gefühl zu geben, dass mich jemand in meiner schweren Situation unterstützen möchte, fand ich sehr ermutigend. Gut … noch macht das keine Behörde, aber irgendwann wird eine anfangen und dann rollt der digitale Stein.

Daneben gab es sehr viele gute Sessions an Tag 2 und 3. Tag 1 war für mich fast komplett eine Enttäuschung. Nur Mercedes hält immer, was sie versprechen. Ich gehe seit Jahren immer gerne in ihre Vorträge.

Aufgrund meiner Erfahrung habe ich nicht das Problem mit 1 Stunde am Essen anstehen, sondern gehe entweder ganz früh oder ganz spät und habe Kekse für den Notfall. Und wer Erfahrung hat, muss auch nicht an den zentralen Toiletten anstehen, weil man ja alle anderen Klos kennt.

2015-05-07 18.59.22
Tschö und Danke.

Dieses Jahr war der Speakerbereich wieder schön mittendrin im Trubel und das gefiel mir. Ebenfalls schön war, dass Andreas, Johnny und Pia ein Sponsorenmeeting gemacht haben und ich fand es spannend kurz zu reden und die anderen Sponsoren kennen zu lernen.

PS: Google und Chefkoch.de feiern beide nächstes Jahr ihren 18. Geburtstag …. Nachtigall…. 

Freue mich auf nächstes Jahr, wenn wir 10-jähriges feiern und überlege allen Ernstes schon, was man da Großes machen könnte.

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