Das 2. Bonner Pecha Kucha – nix gelernt

Freitag, 20:20 Uhr. Das zweite Pecha Kucha* in Bonn geht los und zum Glück haben die Veranstalter wieder das Basecamp Bonn genommen. Eine Traumlocation für dieses Format! Die große Halle mit den bunten Wohnwägen, den Stühlen dazwischen, der Bühne… das macht einfach große Laune, wenn man hier sitzt.

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Tolle Location im Basecamp

 (*Pecha Kucha ist ein Format bei dem die Vortragenden 20 Folien präsentieren, die automatisch durchlaufen und immer nach genau 20 Sekunden geht es weiter. Verhaspelt sich wer oder verliert den Faden oder weiß nicht mehr, welche Folie kommt, dann gibt es keine Gnade: die Folien laufen weiter. Sehr kurzweiliges Format.)

Aber es dauerte nicht lange, da war die Laune auch schon ganz weit unten am Boden. Es wiederholt sich alles, was beim ersten Mal schon schief gelaufen war und auch das, was ich selber und andere Referenten im Vorfeld erlebten an Kommunikation, war leider auch nicht besser.

Mein Blogpost zum ersten Pecha Kucha war gnädig, weil ich mir dachte „Hey, die haben das bestimmt total spontan hochgezogen“, „Kennen wahrscheinlich Bonn gar nicht“, „Kenne die digitale Szene nicht“, „Egal, Hauptsache ein geiles Format in Bonn“.

Die große Kritik am ersten Pecha Kucha war gewesen, dass es zu viele werbende Vorträge gab. Berater, die ihre Firma präsentierten oder ihr Produkt.

Und genau das passierte beim 2. Pecha Kucha wieder. Die organisierende Agentur hatte 6 Monate Zeit gehabt, um sich mal in der Digitalen Szene Bonns umzuschauen. Neben über 400 Blogs gibt es da den Social Media Club Bonn, Webmontag, Socialbar, Bloggerstammtische. Viele Orte um Werbung zu machen, sich vorzustellen und vielleicht auch Sprecherinnen und Sprecher zu finden, die Themen haben über die sie mit Leidenschaft bloggen und erzählen.

Stattdessen bleibt auch nach dem 2. Pecha Kucha der Eindruck hängen, dass Berater aus dem Umfeld der Agentur sprechen durften. Quid pro quo.

So saßen wir Zuschauer auf den instabilsten Stühlen meines Lebens also im Basecamp und wurden schon schnell mit Beratersprech aus dem esoterischen „Hey, du bist gut“ Bereich und von selbsternannten Motivationsmanagern motiviert mit der Optik von Power Point Folien aus den 70ern.

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Ich las heute noch in der Welt, dass Deutsche Angst vor Selbstständigkeit haben und angesichts dessen, was ich da am Freitag abend sah, kann ich es etwas mehr nachvollziehen.

Die einen hatten begriffen, dass ich bei 20 Sekunden nicht anfangen kann Power Point Folien mit 12 ausformulierten Unterpunkten zu machen. Die anderen nicht. Dafür war aber bei den Textlastigen dann jede Zeile in einer anderen Regenbogenfarbe, weil „hey“, wir unterstützen Vielfalt und jeder ist gut, so wie er ist und ich wollte angesicht der Kalendarspruchweisheiten aus dem ALDI für 99 Cent am Liebsten in einem Erdloch vor Scham versinken.

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Und das Beste sind dann die Damen des mittleren Alters, die sich gerade noch mal selber verwirklichen in Motivationscoachdingsibumsi & Zeugs und mit dem Konzept überfordert sind und dann weinerlich den Mann am Computer anmeckern übers Mikro: „Das soll so nicht sein. Mach das zurück. Das kommt jetzt noch gar nicht.“

„Heul doch.“ Es fällt mir sehr schwer sowas dann noch ernst zu nehmen.

Hier mal die Tips, die auf Twitter kamen für die Vortragsgestaltung:

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Bleibt zum Abschluß zu sagen, dass es 3 tolle Vorträge gab. Wen wundert es, wenn ich sage, dass die 3 eine Geschichte erzählten oder von einer Leidenschaft.

Screenshot 2014-11-16 12.55.15Volker Bombien präsentierte den Inhalt eines gefunden Schuhkartons in dem das Leben von Hans enthalten war. Ein „typischer Deutscher“?

Sascha Foerster machte Werbung für seine Datenbank der Bonner-Blogs in der mittlerweile über 400 Blogger sind aus Bonn. Alles ehrenamtlich und mit dem Zweck die Vernetzung in Bonn zu fördern. Genial!

Und dann gab es noch einen Marketingfuzzi, der eine unglaublich lustige Präsentation über Gelerntes und Unterbewußtsein machte. Von ihm habe ich gelernt, dass Blau eine Warnfarbe ist. Zumindest, wenn man gerade an der Fleischtheke steht 😉

Wie der Marketingfuzzi heißt, kann ich euch leider nicht sagen, denn die Homepage des Pecha Kucha in Bonn gibt das nicht her oder die Usability ist so schlecht, dass ich es nicht finde 😉 Nirgendwo kann ich nachlesen, wer die Vortragenden waren.

Gunnar Sohn hat die Vorträge von Sascha Foerster und Volker Bombien mitgeschnitten und hier als Podcast eingestellt mit einem kleinen Vorwort.

Wenn die Lernkurve in 6 Monaten bei den Veranstaltern gleich Null ist, dann gibt es auch für das 3. Pecha Kucha am 20.02.2015 keine Hoffnung. Nicht in Bonn. Nachdem das erste Pecha Kucha noch brechend voll war, war das 2. noch voll und in der 1. Pause sind einige gegangen.

Am 20.02.2015 wird es eine weltweite Pecha Kucha Nacht geben. Überall auf der Welt werden gleichzeitig (ok, Ortszeit) Pecha Kuchas gemacht und da werde ich in jedem Fall dabei sein.

Das Format ist zu großartig um nicht mit zu machen. Aber es gibt ja noch andere Orte an denen man sich das anhören kann, die keine Werbeshow daraus machen, sondern flippige, lustige und nachdenkliche Themen mit authentischen Menschen haben.

2 Gedanken zu „Das 2. Bonner Pecha Kucha – nix gelernt

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