Ein frohes neues Jahr, denn mein Jahr fängt heute an

Ein Jahr habe ich weggeworfen und „neue Erfahrungen gesammelt“, wie man so schön sagt.

Ein Jahr habe ich mir von den Einbrechern, die an Heiligabend 2011 in meine Wohnung einbrachen nehmen lassen. Andere würden vielleicht sagen, dass sie Computer, Geld etc. genommen haben, aber darüber empfinde ich keinen Schmerz. Mein Schmerz betrifft das geklaute Jahr.

 

Ein Jahr in dem ich:

  • nicht rausgegangen bin (wenn ich nicht beruflich musste)
  • hypnotisiert vor der Balkontür saß (über den Balkon waren sie eingestiegen) und diese bewachte ich ab dem Tag
  • Angst kennengelernt habe
  • zusammengebrochen bin
  • stetig gegessen habe, während ich die Balkontür anstierte
  • fette Schlafstörungen entwickelt habe
  • aus heiterem Himmel in Tränen ausbreche
  • mit Pfefferspray umgehen gelernt habe
  • jeden und alles immer verdächtige
  • farblich in Schutt und Asche gegangen bin
  • wenig putzte, weil ich ja eh von den nächsten Einbrechern ausging
  • Zwänge entwickelt habe, wie z.B. die Kontrolle über meinen Herd (aus oder nicht?), wenn ich das Haus verlasse

 

Heute ist Schluß. 365 Tage sind genug Angst.

Ab heute wird zurückgelebt.

Ich erkläre den Scheißeinbrechern hiermit den Krieg. Und ihr werdet ihn nicht gewinnen. Ich gewinne. Mein Leben gewinnt. Ich lebe so schweinegerne. Spaß, Lust und Freude gewinnen. Das ist immer so. Auch in meinem Leben.

 

Also bin ich heute morgen raus. Nein, nicht in den Weihnachtsstress. Ich wohne hier ja direkt am Anfang des Naturparks Siebengebirge und so habe ich endlich wieder meine Schuhe rausgeholt mit denen ich schon den Jakobsweg gelaufen bin und hab die pinke Fleecejacke übergezogen. Ein Fuß vor den anderen. Schnaufen. Ich darf schnaufen. Und weiter. Ich entferne mich von der Wohnung. An der Bushaltestelle vorbei, der Dorfplatz links, dann scharf um die Kurve, die Straße entlang, beim Zimmermann vorbei und am Ende kurz am Denkmal auf der Bank sitzen und ins Siebengebirge schauen bevor es dann durch die Kohlfelder wieder nach Hause geht.

 

Ich bin k.o.

Aber ich werde mich nun nicht vor die Balkontür setzen und sie bewachen, sondern Dinge tun, die man so macht, wenn man lebt: leben, lachen, sich bewegen, Menschen treffen, Hobbies aufnehmen, schlafen.

 

Deswegen fängt mein Jahr heute an. 365 Tage nach dem Einbruch. Es wird ein gutes Jahr, weil ich es in der Hand habe, ein gutes Jahr daraus zu machen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.