#webcon2014 – auf dem Weg aus der Region raus?

Mein Eindruck am Ende der webcon 2014 ist, dass dieser kleine, lokale Internettag in Aachen sich in diesem Jahr beachtlich gemausert hat zu einem Event von dem auch überregional immer mehr Notiz genommen wird.

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Aachener Dom im Herbst

Direkt nach meiner Session im letzten Jahr, rang mir Tobias Kollewe, der Geschäftsführer von AIXhibit noch das Versprechen ab, wiederzukommen. Es war kein großes Ringen mit mir selber, denn ich war auf einem bodenständigen Event in der Aachener Jugendherberge gelandet mit sehr offenen Menschen, die mit mir den Kontakt suchten und das ein oder andere auch weniger nerdige Thema bei dem ich viele Infos mitnahm oder auch lachte.

Eine Konferenz lebt immer von ihren Sprecherinnen und Sprechern.

In diesem Jahr hatte ich vielleicht auch Glück auf einige lebendige Exemplare zu treffen, die Freude an ihrer Arbeit oder ihrem Thema vermittelten und mir Lust darauf machten.

In der ersten Session wußte ich nur, dass ich der Vortragenden auf Twitter folge und das es um LKWs geht.

Tatsächlich ist Andrea eine von 3 Moderatoren in einem LKW Forum, Deutschlands größtes markenoffenes Allrad-LKW Forum . Es gibt 8.000 User, davon ca. 25 weibliche User und das Forum ist auch nach 9 Jahren noch absolut werbefrei und wird rein ehrenamtlich durchgeführt. Die unterschiedlichen Typen von Nutzern klassifiziert sie als Schrauber, Reisende, User, die mit der Technik auf Kriegsfuß stehen und solche, die mit der Gesellschaft, dem Staat und dem Universum auf Kriegsfuß stehen und erntet damit einige Lacher.

Sie selber bezeichnet den Ton in einem LKW Forum als deftiger und grob, erzählt uns aber auch Geschichten von Usern, die nachts viele Stunden durch die Dunkelheit fahren und anderen helfen, die sie aus dem Forum kennen, die irgendwo mit dem LKW gestrandet sind oder die krank sind etc.

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Ohne ein Mettbrötchen zwischendurch geht hier nix.

Später am Tag lerne ich noch Armin Reuter von HeiReS kennen und noch bevor er loslegt weiß ich, dass es großartig wird, denn Armin kommuniziert schon vor dem Vortrag intensiv, lebhaft und witzig mit denen, die schon warten.

Noch nie hat ein Vortrag über Usability in dem ISO-Normen angesprochen werden so viel Spaß gemacht.

Usability kommt von User, doch leider kennen manche Firmen nur noch einen Gedanken, wenn sie vor dem User stehen: eliminieren. Mag zwar kurzfristig helfen, bringt danach aber auch keine Aufträge mehr.

Jedoch schafft Usability Mehrwert:

  • Kostenreduktion durch zielgerechtete Entwicklung
  • Potentielle Erhöhung des Produktabsatzes
  • Potentielle Trainings- und Supportkosten
  • Verbesserung der Arbeitsqualität
  • Einhaltung des Arbeitsschutzgesetzes (ich kann echt meinen Arbeitsgeber verklagen, wenn er mir keine auf Usability getestete Software zur Nutzung vorsetzt)

Obwohl ich das Thema Rotation Curation gut kenne, weil ich mit Sabine befreundet bin, ging ich in den Vortrag, der in diesem Jahr auch die Erfahrungen der RWE Twitter Accounts mit einband.

Spannend zu erleben, wie die Kollegen aus den Auslandsgesellschaften der RWE viel offener sind um bei dem Projekt mitzumachen und ich habe mir auch einige Eindrücke des Accounts geholt. Sehr beeindruckend, wenn Kollegen von Offshore-Inseln Fotos twittern, wie sie dort draußen Rotorenblätter zusammen setzen etc.

Auch die Leistung des @wirlebenAC Accounts mit 81 Wochen am Stück finde ich einen beeindruckenden Erfolg, der zeigt, wie toll die Städte Social Media für Werbung und Tourismuszwecke einsetzen KÖNNTE. Ich sage KÖNNTE, da der Account nach wie vor privat supported wird, was mich hilflos den Kopf schütteln läßt.

2014-11-08 16.14.41Bei Tina Halberschmidt vom Handelsblatt hatte ich ein vollkommen simples Aha-Erlebnis: als Nachrichten noch reine Printangelegenheit waren, gab es fast auschließlich eine One-way Kommunikation vom Redakteur zum Leser. Durch Social Media ist dies aufgelöst. Die Leserinnen und Leser kommentieren eifrig alles. Zu eifrig? Tina erzählt davon, wie Diskussionen unter Artikeln fast immer entgleisen. Es ist gesellschaftsfähig geworden z.B. rechte Meinungen laut zu verkünden und das nicht etwa anonym, sondern mit dem echten Namen.

Zeitungen müssen natürlich darauf reagieren, da sie sich im Zweifelsfall strafbar machen. Das frißt dermaßen viele Ressourcen, dass immer mehr vor der Frage stehen, ob die Kommentarfunktion nicht öfter mal gesperrt wird oder auch komplett abgeschafft wird wie es bereits bei einigen Nachrichtenmagazinen zu lesen war.

Und dann sind wir wieder in der Alten Welt angekommen. One-Way Kommunikation läßt grüßen und das nur, weil manche Menschen Pöbeleien und Respektlosigkeit und fehlende Kommunikationskultur mit „Meinungsfreiheit“ begründen.

Mir erschienen die Themen in diesem Jahr nach wie vor fokusiert auf das Web und die Technik (es ist ja auch ein Internettag) und ein großes Spektrum abdeckend.

Das Publikum erschien mir etwas „hochwertiger“ in diesem Jahr. Nett war es immer! Nicht falsch verstehen. Aber dieses Jahr war viel Diskussion in den Vorträgen und viele Nachfragen und Anmerkungen von den Besuchern, die auch von weiter angereist kamen.

Fazit: ich bin am 14.11.2015 wieder dabei.

Tausend Dank an Michael und Nina von AIXhibit für eine großartige Organisation. Das läuft jedes Jahr wie am Schnürchen! Und danke an Tobias, der das Ganze erst ermöglicht.

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