2 Wochen bei Chefkoch

Die ersten 2 Bürowochen bei Chefkoch sind nun um. Eine neue Lebensphase hat angefangen und das finde ich sehr spannend. Spannend, mich zu beobachten.

Ich bin sehr aufgeregt, weil ich große Chancen damit verbunden sehe. Nein, keine „Karrierechancen“. Aus dem Alter bin ich nun raus und will nicht mehr. Im Gegenteil kommen meine alten Ideale aus den 20ern wieder hoch und ich will wieder verändern. Anpacken, verändern, brennen für Ideen. Geändert hat sich, dass meine Persönlichkeit gewachsen ist. Im Vergleich zu einem Alter von 25 Jahre, ist sie nun 20 Jahre reifer geworden und das ist ein verdammt gutes Gefühl.

Ich werde allen Kollegen vorgestellt und habe natürlich 5 Minuten später schon keine Ahnung mehr, wer wer ist. Da wird aus Ralf Guido und wie viele Martins es gibt, wird mir auf immer ein Rätsel bleiben. Zumindest glaube ich das am ersten Tag. In meiner Stufe war ein Martin … wir haben ihn sehr geliebt alle, aber sehr schmeichelhaft wäre seine Umschreibung nicht, also verzichte an dieser Stelle auf einen Vergleich.

Was macht man als Nächstes so als Neuling, wenn man Head of Community ist? Na, ich lese einfach mal. Ich lese interessante, bekloppte, lustige, lehrreiche Threads im Forum und lerne die Community kennen, die einen Großteil meines Jobs ausmacht. Da sind unterschiedlichste Menschen, aber sie alle eint, dass sie recht viel und recht gerne kochen. Da gerät man bei der Diskussion um Weiß- oder Rotwein schon mal in Wallung und beim amerikanischen Käsekuchen kann kein Quark enthalten sein, da der Amerikaner an und für sich ja keinen Quark kennt. Aber die süßen Törtchen und ihre wunderbaren Verzierungen lassen dann alle wieder in verzücktem „Aaaaaaw“ erstarren 🙂

Food ist die neue Religion dieser Gesellschaft, stand letzthin irgendwo geschrieben und so verwundert es nicht, dass bei Chefkoch kontinuierlich Stellen ausgeschrieben sind und die Community wächst. Immer mehr Menschen tauschen sich und aus und es wird professioneller und hübscher und trotzdem bleiben für die Studenten oder Anfänger oder die Resteverwerter noch genügend Ecken um sich wohl zu fühlen. Das gefällt mir.

Ich sitze in dem Büro direkt neben der Küche. Das ist furchtbar. Man muss immer essen und trinken, wenn etwas bei Foto Shootings übrig bleibt. Smoothies, die als Hintergrund für Cocktails dienen, Kekse …. und ich bin erst 2 Wochen da.

Als man mich damals gefragt hatte, ob ich nicht zu Chefkoch kommen möchte, hatte ich unter anderem gesagt: Nie wieder für ein Unternehmen arbeiten in dem ich an einer Windowsmöhre sitze und meine privaten Devices nicht synchronisieren kann. Das Problem hat man in diesem Internetunternehmen gar nicht verstanden und natürlich sind meine privaten Devices bereits synchronisiert und an der Windowsmöhre sitze ich nur bis das Mac Book da ist und dann an die 2 Monitore angeschlossen wird. Das ist so eine Erleichterung.

Ich kann arbeiten, wann ich will. Zumindest theoretisch. Praktisch merke ich sehr schnell, dass diese Internetfirma das typische „Arbeiten wann und von wo du willst“ überhaupt nicht praktiziert. Ob es ginge oder nicht, kann ich nicht sagen, weil ich noch gar nicht gefragt habe, da ich im Büro bin um die Kollegen alle kennenzulernen. In so einer Anfangsphase fände ich Homeoffice bzw. Anywhere-Office schwierig. Aber im Verglich zu meinem letzten Job und vor allem zu meiner Idealvorstellung, finde ich es extrem merkwürdig.

Wollen junge Menschen wieder in Büros sitzen von 10-19 Uhr? (Später als meine Elterngeneration, aber sonst identisch.) Die sind ja auch alle so extrem konservativ in Sachen Beziehung im Vergleich zu meiner Generation (Wer 2 Mal mit der Gleichen pennt, gehört schon zum Establishment) 🙂

Vielleicht war der Traum vom lustgetriebenen Arbeiten ja wirklich nur ein kurzer Blitz, der am Horizont aufschweifte. Vermutlich wird mich das Thema nicht loslassen und meine Vorgesetzten dürfen nun schon mal seufzen 🙂

Irgendwie ist es gemütlich bei diesen Chefköchen. Ein junges Team in dem ich mal eben die Älteste zumindest am Arbeitsort Bonn sein dürfte. Die Leute fangen zwischen 8 – 11 Uhr an zu arbeiten und Aufgaben scheinen klar verteilt zu sein. Man begegnet sich freundschaftlich.

Ich mag es gemütlich in der Küche zu stehen und kurz zu plauschen und etwas vom Leben meiner Kollegen mitzubekommen.

Ich mag es, dass ich hier, wenn ich etwas wissen möchte, kreieren möchte einfach zum entsprechenden Kollegen gehe, wir darüber reden und dann geht es an die Umsetzung. Ich muss nicht erst Prozess A in Phase 5 befolgen, dann 3 Formblätter ausfüllen mit Durchschlag um dann 1 1/2 Jahre durch 4 Gremien laufen, die mir dann eine Zusage geben, wenn ich schon längst intern den Job gewechselt habe und mein Nachfolger gar nicht mehr weiß, worum es geht.

Ich mag es, dass ich das Gefühl habe, hier gleichberechtigt kommunizieren zu können und nicht einen auf den Deckel zu bekommen, wenn ich mit X rede, weil ich dann K und M in der Hierarchie übersprungen habe und damit das Machtgefüge bröselt.

Auch in den 2 Anfängerwochen ist nicht alles rosa, denn ich mache mir bei dem aktuellen Wachstum viele Gedanken darüber, was hier nun an Formalitäten und Prozessen eingeführt werden wird, weil es langsam aber sicher zu groß wird. Das ein oder andere gefällt mir, was ich an Veränderung sehe und vor dem ein oder anderen graut mir.

Endlosdiskussionen, die männlichem Machterhalt dienen sind mir ein Gräuel. Aber ich werde damit neu umgehen können in einer gänzlich anders tickenden Firma und darauf freue ich mich und sehe viele Chancen für mich, mich in diesem neuen Firmenkulturgefüge zu ändern und neu lernen zu kennen. Und das gefällt mir wieder. Was ist weibliche Führungskultur? Ein Thema mit dem ich mich sehr auseinader setzen möchte und meine Markierungen hinterlassen möchte. Wenn ich nur wüßte was es genau ist 🙂

Kollegin Anne würde nun sagen „Deine Oma hat Führungskultur.“ 🙂

 

PS: Und was ich als Head of Community bei Chefkoch so mache, werde ich bestimmt in den nächsten Wochen berichten. Hier oder bei Chefkoch.de

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