Die Kohlmeise und die Melisse

Im letzten Jahr habe ich Minze und Melisse in Balkonkästen und einen Blumentopf gepflanzt, was bestimmt zu Kopfschütteln bei den wissenden Gärtnern führt. Melisse und Minze treiben so unglaublich aus, dass eigentlich alles außer einer riesigen Wiese diese Pflanzen total einengt. Ich hatte also einen sehr buschigen Blumenkasten, der nicht mehr zu sehen war.

Und dann kam die Kohlmeise. Da war nirgends Platz. Aber sie flog den Blumenkasten an und landete irgendwie auf einem Stengel und ich hatte Angst und dachte „Das klappt doch nie“. Ich sollte denen, die Ahnung haben, vertrauen und die Kohlmeise hat mehr Ahnung von geeigneten Landeplätzen in Blumenkästen, als ich es je haben werde.

Kohlmeise
Kohlmeise – Pic taken by Luc Viatour

Da saß sie und schubberte sich an der Melisse. Also, so sah es zumindest aus. Es sah aus, als ob sie ein Bad nahm in den Blättern. Ich stellte mir vor, wie sie von dem schönen zitronigen Duft umhüllt nach Hause fliegt in ihr entstehendes Nest und der Kohlmeisenmann sie begrüßt und binnen Sekunden sehr erregt ist und die beiden dann eine schöne Minute in ihrem Nest haben.

In den folgenden Tagen sah ich sie immer wieder. Eifrig die Blätter abzupfend, vor allem die jungen Triebe oben. Mit denen flog sie dann weg und kam später wieder. Die Minz- und vor allem Melisseblätter wurden also für den Nestbau benötigt, so schien es mir.

Wie hat man sich das vorzustellen? Die kleinen Kohlmeisen schlüpfen aus ihren Eiern und sind umgeben von einem wohlduftenden Nest? Ist das nicht ein bißchen viel an Dufteindrücken direkt nach der Geburt? Ich bin da ja komplett überfordert. Aber diese spezielle Kohlmeise scheint da anders zu sein.

Der Kohlmeisenstar auf meinem Balkon
Der Kohlmeisenstar auf meinem Balkon

Die Melisse ist auch dieses Jahr schon gepflanzt und treibt prächtig. Und da kam sie wieder. Die Kohlmeise. Und es dauerte nur Sekunden und ich lachte wieder. Es ist so putzig, wie sie an diesen weichen Stengeln hängt und vollkommen hysterisch in diesen Blättern rumpickt. Oder wenn sie quasi unter der Melisse landet und sich dann an den Ästchen schubbert.

Die Esoteriker sagen, dass die Kohlmeise mehr Verspieltheit und Freude und Humor ins Leben bringen will. Zumindest wenn ich sie still beobachte, klappt das, wenn sie da in meinem Balkonkasten sitzt. Ich kann sie so gut verstehen. Ich mag ja Zitronendüfte auch so gerne.

Darüberhinaus ist die Kohlmeise ein Bote von Glück und Erfolg, wenn sie einem im Traum erscheint. Sie ist mir noch nicht dort erschienen. Aber bei so viel Glück und Erfolg, wie ich aktuell habe, müssten es ganze Kohlmeisenschwärme sein, die durch meine Träume fliegen.

Also war die Kohlmeise letztes Jahr keine Ausnahme. Kohlmeisen scheinen Zitronenmelisse zu lieben. Hoffentlich merke ich mir bis nächstes Jahr, dass ich wesentlich mehr Zitronenmelisse für die Kohlmeisen anbauen muss.

 

„Die Kohlmeise ist von der Blaumeise dadurch zu unterscheiden, daß sie blau ist.“  Johann Georg August Galletti

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