Gault Millau – von diesem Neuland hast du keine Ahnung

Vor einem Jahr leistete ich mir den ersten Gault Millau meines Lebens. Vom ersten Tag an, habe ich mich nur geärgert und heute morgen lief das Faß über und jetzt jammere ich mal öffentlich. So wie der Gault Millau jammert, dass ihn niemand mehr kauft. U.a. wegen des bösen Internets. Ich vermute ja, dass es auch daran liegt, dass euer Produkt einfach schlecht ist. Aber das wird eine Einzelmeinung sein.

Ich besitze einen Kindle und die Anschaffung des Gault Millau kam mir für diesen sehr sinnvoll vor. Keine 30.000 Posts its auf all den Seiten in unterschiedlichen Farben, sondern stattdessen elektronisches Lesezeichen und schnelles Springen zwischen selbigen und vor allem unterschiedliche Sortierungsmöglichkeiten über Filter, die der Verlag doch bestimmt eingebaut hat.

Hoffnungsfroh nehme ich also den Kindle zur Hand und fange an zu blättern. Nach wenigen Sekunden bin ich schon das erste Mal entnervt. Die Seiten haben so hohe Ladezeiten, dass ich keinen Bock mehr habe. Normalerweise „wische“ ich durch Bücher und die Seiten sind da. Hier wische ich mittlerweile nervös, weil ich gar nicht mehr weiß „Reagiert der noch oder hat er sich aufgehangen?“ Das frage ich mich die folgenden 20 Minuten dauernd: aufgehangen? Kommt noch was? Ich hab es noch nicht mal bis Seite 10 geschafft.

Irgendwann bin ich aber beim Inhaltsverzeichnis und bei meiner Heimatstadt Bonn angekommen. Erleichterung. Für eine Sekunde entspannen sich die Schweißperlen auf meiner Stirn. Ich tippe mit dem Finger auf Bonn. Hm. Nochmal. Warum springt denn jetzt das Buch nicht auf die Seite, wo die Berichte über Bonn kommen? Warte mal … das ist ja gar kein Link. Wollen die mich veräppeln? Bonn ist auf Seite 117. Das ist in einem eBook natürlich sehr hilfreich. Seite 117 … ha ha … ein Lachen der Verzweiflung gepaart bereits mit Wut ertönt aus meinem Lesesessel.

Enddlich habe ich die Seite im eBook gefunden und will direkt mal ein Lesezeichen machen. Ich tippe auf den Bildschirm. Hier öffnet sich in der Regel oben eine Leiste in der ich nun Lesezeichen, Kommentare, Schriftgröße und all so was einstellen kann.

An dieser Stelle wisst ihr schon, was kommt: beim Gault Millau kommt diese Zeile nicht. Es gibt auch kein andere eingebautes Menü. Ich kann schlichtweg kein Lesezeichen setzen. Ich kann auch nicht zu Restaurants meine eigene Meinung in Form von Kommentaren dazu kritzeln. Ich kann nix.

Zu diesem Zeitpunkt würde mein Blutdruckmessgerät bereits explodieren, wenn ich so wahnsinnig wäre ihn nun messen zu wollen.

 

Für den nächsten Monat rühre ich das eBook auch nicht mehr an. 1 Monat später treffe ich einen Kollegen und bitte ihn sich das Buch mal anzuschauen und mir seine Meinung zu sagen. Ich habe die Hoffnung, dass ich einfach nur mal wieder der DAU bin und es nicht gerafft habe. Aber der Kollege macht mir wenig Hoffnung. Seine Worte ob der Qualität sind noch schlimmer als meine.

Ich hatte auch erwartet, dass ich sortieren kann. Zum Beispiel: Zeige mir alle Restaurant mit 4 Hauben, mit 3 Hauben, mit 2 Hauben usw.  Toll wäre auch, wenn auf einer Seite auf der Köche mit besonderen Leistungen aufgeführt werden, ich einfach mal drauf klicken könnte und dann zu der Gastrokritik käme. Nein … all das kann ich nicht.

Heute morgen dann wollte ich das eBook in der Kindle App auf dem Mac öffnen. Und da kam doch wahrhaftig: das Format kann hier nicht geöffnet werden.

Ich fühle mich verarscht. Ich bin gerade richtig sauer. Und dabei geht es mir rein um die technologische Seite des Produkts. Dass ich ebenfalls großen Zweifel an den Bewertungen habe, steht auf einem anderen Blatt und dazu kann ja jeder mal googeln was ausgestiegene Gastrokritiker oder Restaurantbetreiber schreiben. Aber es ist in jedem Fall immer ein schöner Anhaltspunkt.

Investiert das Geld in ein schönes Essen in eurer Stadt und nicht in das eBook!

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