Heimat ist Kartoffelsalat

Jeder Mensch hat ein Mamaessen. Bei mir ist es Kartoffelsalat.

Kartoffelsalat ist alles. Kartoffelsalat ist Heimat, geborgen sein, wohlfühlen, nach einem Streit gemeinsam reden, traurig sein dürfen und was essen zur Beruhigung, ganz viel positive Aufregung, Feuerwerk.

Auch wenn ich in NRW aufwuchs, bin ich kulinarisch durch meine Pfälzer Mama geprägt und bei Salaten äußert sich das dadurch, dass ich einfach keine Salate mit Mayonnaise kenne und dafür sehr dankbar bin, denn es graut mir angesichts all der mit Mayo zugekleisterten Salate.

Der Kartoffelsalat ist folglich mit Brühe, Essig und Öl und auch wenn er einfach ist, braucht er eins: Zeit! Es geht auch schnell, schmeckt aber wirklich anders.

An Weihnachten gibt es bei uns traditionell Kartoffelsalat mit Würstchen. Meine Mutter hätte gerne an Weihnachten auch mal was anderes gekocht, aber mein Vater und ich haben kategorisch geschmollt und gesagt, dass wir dann gar nix essen 🙂 Naja, dann wurde es doch immer Kartoffelsalat mit Würstchen. In den letzten 20 Jahren sind noch eine Platte russische Eier dazugekommen und eine Platte mit geräuchertem Lachs und Aal.

Kartoffelsalat ist das, was ich auch essen wollte, wenn ich nach einem langen Urlaub/Auslandsaufenthalt nach Hause kam. Da wird das Essen nicht kalt und man kann unendlich lange gemeinsam am Tisch sitzen und quatschen.

Aber man kann auch am Mittagstisch als Kind dicke Krokodilstränen vergießen, im Kartoffelsalat rumstochern und schließlich den ein oder anderen Happen seufzend in den Mund schieben.

Wenn man ü40 ist, dann kann man Kartoffelsalat in die Tuppadose schaufeln und mitnehmen und abends z.B. auf dem Balkon essen und an die Ursprungsfamilie denken.

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Ich möchte euch hier zeigen, wie man einen ganz einfachen Kartoffelsalat macht, der übrigens nur aus Kartoffeln besteht. Im Anschluß erläutere ich euch dann noch, wie ihr ihn variieren könnt, denn nicht jeder mag es so simple und auf die Kartoffel reduziert, wie ich.

2013-07-14 12.39.04Zutaten für 2 Personen:

  • 500g Kartoffeln (noch nicht geschält) und zwar die überwiegend festkochenden
  • 120ml Fleischbrühe (schön kräftig, aber wer es vegetarisch will, der nimmt Gemüsebrühe)
  • 2 Eßl Essig (ich nehme hellen Balsamico, aber ein guter Weißweinessig ist genauso prima. Nehmt bitte keinen Essig, dessen einzigesd Qualitätsmerkmal „günstig“ ist.)
  • 3-4 Eßl Öl (ein neutrales!!!!!!)
  • Salz

Benötigte Utensilien:

  • Kochtopf
  • Messer
  • Gabel
  • Gefäß in dem die Fleischbrühe (wenn Instant) gemacht wird
  • Topf in dem der Kartoffelsalat gemacht wird

Die Kartoffeln ungeschält kochen. Wenn sie nach ca. 20 Minuten (kommt drauf an, wie dick sie sind) fertig gegart sind, dann nehmt sie raus aus dem Wasser und lasst sie abkühlen. Sie sollten nicht kalt sein, wenn ihr weitermacht, aber definitiv auch nicht heiss. Wenn sie also noch warm sind, dann pellt sie und schneidet sie nun in Scheiben. Es dürfen ruhig dickere Scheiben sein mit einem halben Zentimeter Durchmesser, aber macht das einfach so, wie ihr es am Liebsten mögt. Der eine möchte dünnere und der andere dickere Scheiben.

Wenn die warmen Kartoffeln nun in Scheiben geschnitten in der Schüssel sind, dann die warme Fleischbrühe über die Kartoffeln geben. Und nun: ziehen lassen. Und zwar so lange, wie ihr Zeit und Geduld habt. Im Optimalfall: früh morgens anfangen und dann den ganzen Vormittag ziehen lassen und zum Mittag essen fertig machen.

Irgendwann seid ihr bereit den Kartoffelsalat weiter zu machen und eigentlich ist er ja schon fertig, er muss nur noch gewürzt werden. Gebt nun Essig und Öl dazu und etwas Salz darüber. Ein Tip: man gibt nie die ganze Menge Gewürze die im Rezept steht darüber, sondern erst mal nur einen Teil, probiert und entscheidet dann, ob man den Rest noch dazu gibt. Möglicherweise hast du schon alle Gewürze dazu gegeben und findest, dass es noch was würziger sein könnte? Dann nähere dich langsam und gib halt noch etwas Salz oder Essig oder Öl dazu. Wenn der Kartoffelsalat nach dem Würzen noch rumsteht, dann ziehen die Gewürze auch wieder ein und man muss möglicherweise nachwürzen.

Das wäre nun der Kartoffelsalat, wie ich ihn esse. Sehr kartoffelig 🙂

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Und viele werden nun sagen „Aber da muss doch noch x rein“. Ja, ja … schnippelt doch rein, was ihr wollt, aber ich hasse Kartoffelsalat, wenn ich die Kartoffeln suchen muss.

Ich bin ja kein Unmensch und erkläre euch nun auch noch, wie ihr den Kartoffelsalat etwas „verfeinern“ könnt: sehr typisch und normal wäre, wenn ihr noch eine kleine Zwiebel in Würfelchen schneidet und die entweder vor der Brühe oder nach der Brühe mit dazu gebt. Wenn die Zwiebelwürfelchen mit in der Brühe ziehen, dann verlieren sie etwas an Schärfe.

Wer es mit Gürkchen will, der nimmt halt nun am Ende das Glas Gürkchen und schnippelt noch 4 Gürkchen rein.

Oder wie wäre es mit einem guten TL scharfen Senf? Dann einfach mit dem Essig und Öl mit unter die Kartoffeln rühren.

Oder ihr habt noch etwas Schnittlauch? Dann schnippelt ihn doch noch schnell drüber, denn das macht auch farblich noch etwas her. Das gleiche gilt für die Petersilie.

Oder statt Zwiebel und Schnittlauch direkt eine Frühlingszwiebel nehmen? Kein Problem.

Und wenn ihr nun das Rezept mal ausprobiert und euren ersten Kartoffelsalat macht, dann schickt mir doch ein Foto!

2013-07-14 12.39.07

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